Freitag, 28.10.2022
TAG 57
Auch heute sind wir zum Frühstück wieder bei 'Mels' eingekehrt... genau wie gestern aßen wir den 'Famous Melburger'... umwerfend lecker..
Das 'Mels' ist ein typisches Diner im American Style... mit ausserordentlich viel Liebe zum Detail, welches wir auch heute gut gestärkt verlassen sollten.
Die Serpentinen in der Lombard Street
'The Crooked Street' (krumme Strasse) – Teil der 'Lombard Street' und ein absolutes
'Must see' wenn man in San Francisco ist, sollte heute unser Tagesziel werden.
Nach dem 'Frühstück' machten wir uns auf den Weg. Weil sich unser Motel sowieso in der 'Lombard Street' befand, Nummer 2599, brauchten wir nur die Strasse runter (oder besser hinauf?) laufen... nach den ersten 11 Blocks allerdings ging es steil bergauf... die 'Divisadero Street' von gestern war dagegen ein Klacks... :-) Man musste sich beim Laufen so dermasßen konzentrieren, dass man nicht den Halt bzw. den Stand verliert... schon ein Blick zurück oder ein unachtsamer Schritt hätte einem das Leben kosten können. In Höhe des 'Russian Hill' erreicht die 'Lombard Street' ihren Höhepunkt...von dort oben konnte man bis zur 'Golden Gate Bridge' blicken... ein Ausblick, der grandioser nicht sein kann, könnte man meinen...
Der "krumme" Abschnitt der
Lombard Street
Wir überquerten die 'Hyde Street' und wussten in diesem Augenblick, weshalb um die besagte 'Crooked Street' so ein Hype gemacht wird... schon wieder eine Aussicht, die man nicht in Worte fassen kann... Aber nicht nur das: So steil, wie es bergauf ging, ging es auch wieder bergab... und in den ersten etwa einhundert Metern schlängelte sich die Strasse bei einer Steigung von 30 % (?) in Serpentinen hinunter.... tatsächlich fahren dort auch noch Autos... wir waren sprachlos.
Um die Steigung im Bereich Hyde & Leavenworth Street von 27% auf 15% zu entschärfen, wurden der 'Lombard Street' in den 1920er-Jahren diese acht 'Haarnadelkurven' verpasst; die herabfahrenden Autos waren so gezwungen, vorsichtig und besonnen zu fahren. Fussgängertreppen gibt es auf beiden Seiten... man kann bequem und gemütlich dieses Stückchen hinabflanieren. Der Blick auf die Anhöhe war ebenso imposant wie hinab... schon allein der vielen posierfreudigen 'Influencern' wegen...
Ehe wir allerdings hinabschlenderten fuhr noch 'The Cable Car' an uns vorbei – ein ebenso riesiges Highlight, mit dessen Fahrt man seinen Aufenthalt in San Francisco krönen sollte.
Achtsam liefen wir die Strasse weiter bis zur 'Jones Street' und schlugen dann den Weg Richtung 'Fishermans Warf' ein. Wir hatten nämlich für den morgigen Tag eine Tour nach 'Alcatraz Island' gebucht. Da die Fähre am 'Pier 33' ablegt, wollten wir sicherheitshalber die Lage peilen...
Im 'Walgreens' buchten wir noch den 3-Tages-Pass auf unsere 'Clipper Card'... Nun konnten wir Bus und Bahn und Cable Car und Street Car... einfach mit fast allem soviel fahren, wie wir wollten... der 3-Tages-Pass kostet pro Person aktuell 36 $...
San Francisco Cable Car
Wir stellten fest, dass wir morgen ganz easy zum 'Pier 33' kommen würden, also stiegen wir direkt in die 'Historic Streetcar' von San Francisco und fuhren entlang des 'Embarcadero' bis zur 'California Street'... die STRASSE... die legendäre 'California Street'... die man sonst nur aus den Blockbustern im Fernsehen kannte... unglaublich...
Und es wurde noch unglaublicher... die legendäre 'Cable Car' startete dort ihre 'California & Van Ness Line' … wir konnten sofort einsteigen, hatten den perfekten Platz... und wieder ging ein Traum in Erfüllung...
Die 'San Francisco Cable Cars' ist im übrigen die einzige verbliebene Kabelstrassenbahn der Welt mit entkoppelbaren Wagen und ein Nationaldenkmal der Vereinigten Staaten.
Die Fahrt war einfach legendär... das muss man einfach erlebt haben. Wieder ging es mit einer wahnsinnigen Steigung bergauf... zwei 'Fahrer' sind währenddessen jeweils für Start und Halt verantwortlich. Wie das alles im Detail funktioniert, kann man gut bei Wikipedia nachlesen. Fakt ist allerdings, dass die Bremsklötze oder ähnliches alle zwei Tage erneuert werden müssen.
Also fuhren wir mit der 'California Line' von der 'Market Street / Ecke Drumm Street' im Financial District durch 'Chinatown' und über den 'Nob Hill' bis zur 'Van Ness Street' – Endstation...
Aufgrund der doch kühlen Wetterverhältnisse hier in San Francisco (in unserem Handgepäck war kein Platz für warme Klamotten) hofften wir, noch irgendwo ein wärmeres Leibchen für die Cheffin shoppen zu können und schlenderten ein wenig durch die Gegend. Komischerweise schien man hier in Kalifornien nicht viel mit Shoppen am Hut zu haben... es gab unzählige Restaurants oder Imbissbuden, aber Klamotten – Fehlanzeige... Irgendwie mussten die nächsten Tage überbrückt werden, schliesslich geht es ja schon am Montag weiter nach Mexico... da ist es wieder warm...
Nachdemwir gestern einen kurzen Abstecher in den 'Golden Gate Park' gemacht hatten, erweckte ein grosses Plaket für eine heutige Halloween-Veranstaltung unsere Aufmerksamkeit. 'Einmal Halloween in USA' … das muss es sein, das durften wir uns nicht entgehen lassen.
Also fuhren wir von 'Van Ness' auf direktem Wege dorthin... naja ok, ein paar Umwege liessen sich nicht vermeiden. Aber so war dann auch schon die Dämmerung hereingebrochen, als wir den Park erreichten. Ein Trubel und Treiben ohne Ende war dort schon in vollem Gange. Genauso stellt man sich Halloween vor... so gut wie jeder war dort verkleidet... Eltern, Kinder, Babys... sogar die Hunde trugen Kostüm... ausser uns... :-) Wenn man schonmal die Chance hat und gerade in Amerika ist, sollte man sich das Halloween-Spektakel auf keinen Fall entgehen lassen....
Mit hereinbrechender Dunkelheit wurde es auch zunehmend kühler, ja sogar kalt, also beschlossen wir gegen halb acht wieder zurück in unser Motel zu fahren. Fremde Städte – schlechte Orientierung – kalt – müde... der Weg dauerte einfach zu lange... jedenfalls haben wir dann um kurz nach neun doch noch unser Motel erreicht... Resultat des Tages: 28586 Schritte – trotz einigen Busfahrten...
Gute Nacht & bis morgen!
Samstag, 29.10.2022
TAG 58
Für den heutigen Tag stand etwas ganz besonders auf dem Programm. Ein lang gehegter Wunsch sollte endlich in Erfüllung gehen!
Wir hatten ein Ticket in der Tasche, mit dem wir nach Alcatraz fahren würden.
Alcatraz, die legendäre Gefängnisinsel!
Um halb acht ging es bereits aus den Federn. Es war ein wenig Eile geboten. Die Fähre nach Alcatraz legte um 11:30 Uhr am Vormittag ab. Vorher wollten wir aber noch beim H&M am Union Square eine warme Strickjacke für die Scheffin organisieren.
Eigentlich wollten wir den Kauf der Jacke schon einen Tag vorher erledigen, aber egal, wohin wir auch gingen, es war nirgends ein Kleidergeschäft zu sehen. In ganz San Francisco schien es nichts zu geben, wo man sich etwas zum Anziehen kaufen konnte.
Im Internet fanden wir dann letztendlich heraus, dass am Union Square ein H&M zu finden sei. Ausserdem ist es von dort nicht mehr allzu weit bis zum Terminal 33, an dem die Fähre ablegt.
Das Problem war allerdings, dass der H&M erst um 10 Uhr öffnete und obwohl die Fähre erst um 11:30 Uhr den Hafen verlassen sollte, stand auf den Tickets, dass man schon 45 Minuten vor Abfahrt da sein sollte.
Gas geben war demnach die Devise.
Wir verließen das Motel und spazierten einen Block weiter zur Chestnut Street, die parallel zur Lombard Street verläuft und suchten nach einer Haltestelle, wo die Buslinie 30 abfährt.
Gegen 9 Uhr erreichten wir auch schon die Market Street, die am Union Square entlangführt. Und oh Wunder, es gab noch einige andere Kleidergeschäfte dort!
Eins davon hatte auch schon geöffnet, aber das kam nicht in Frage, weil sich vor der Türe schon eine lange Schlange gebildet hatte. Alle Leute, die dort standen, hatten Masken an und der Betreiber des Ladens liess immer nur eine bestimmte Anzahl Leute auf einmal rein.
Also schauten wir weiter, ob wir noch einen anderen Laden finden konnten, der schon geöffnet hatte. Weit und breit war nichts zu sehen.
Gerade liefen wir an einem Burger King vorbei, als wir spontan beschlossen, dort einen Whopper zu frühstücken.
Inzwischen war es einige Minuten vor zehn geworden und wir standen vor den Toren der Mall, in der sich der H&M befinden sollte. Pünktlich öffnete das Shopping Center und wir fanden auch gleich den H&M. Bereits um viertel nach zehn war ein Strickjäckchen erworben und wir standen schon wieder an der Strassenbahnhaltestelle, die sich in der Market Street befindet und warteten auf eine Bahn der F-Line, die zum Embarcadero fährt und die ganzen Schiffsterminals abklappert.
Wir sollten es also noch rechtzeitig schaffen.
Und das taten wir auch. Um zehn vor elf waren wir am Eingang des Terminal 33.
Schnell noch zwei Dosen Cola für 6$ an einem der Stände gekauft und hinein ins Terminal.
Wie schon vorher vermutet, hätten wir uns nicht so beeilen müssen; also verbrachten wir die restlichen 35 Minuten in der riesigen Warteschlange am Terminal.
Besuch beim Birdman
Wie üblich, ist der Ablauf solcher Touren in den USA minutiös geregelt und bis ins kleinste Detail organisiert. Die Fähre fährt etwa alle 30 Minuten zu der Insel. Eine Überfahrt dauert mit circa 15 Minuten nicht lange. Einige hundert Leute fahren jedesmal mit nach Alcatraz und man kann dort soviel Zeit verbringen, wie man möchte. Hat man alles gesehen, kann man einfach mit dem nächstmöglichen Schiff wieder zurück zum Festland fahren.
Wir hatten unser Ticket online gekauft. 11:30 Uhr schien uns eine gute Zeit zu sein, weil wir ja noch vorher die Strickjacke kaufen wollten. Ausserdem dachten wir, der Andrang wäre um diese Zeit schon nicht mehr so groß wie am frühen Morgen.
Dem war auch so, allerdings waren noch immer mehr Leute da, als wir dachten.
Die Fähre legte pünktlich ab und 15 Minuten später liefen wir auf dem selben Boden, wie dereinst Al Capone und der Birdman von Alcatraz.
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Bei der Ankunft auf der Insel kann man sich für einen Dollar ein kleines Heftchen holen, in dem einige interessante Informationen sowie ein Plan der Insel enthalten sind.
Beim Buchen des Tickets war auf der Buchungsbestätigung im Internet zu lesen, wie sich der Ticketpreis zusammensetzt. Man musste ganz nach unten scrollen, um diese Angaben zu finden. Der Gesamtpreis für unsere beiden Tickets war knapp 85 Euro. Darin enthalten waren jeweils 14 Dollar für eine Audio Tour. Es wurde darauf hingewiesen, dass der Betrag für die Audio Tour zurückerstattet werden würde, wenn man diese nicht in Anspruch nehmen wolle. Man sollte bloß bei Ankunft auf der Insel einen der Mitarbeiter ansprechen und bekäme dann das Geld zurückerstattet.
Das ist natürlich ein brillanter Trick, um den Leuten was anzudrehen.
Die meisten Besucher hatten wahrscheinlich nie gelesen, dass man das Geld zurückerhalten konnte.
Wir sahen auch etliche Leute, die ohne Kopfhörer herumliefen. Also meldeten wir uns bei einer Angestellten und nach wenigen Minuten hatten wir 28 $ zurückerstattet bekommen.
Jetzt konnte die Besichtigung des Gefängnisses endlich losgehen.
Der Start war in den Duschräumen und dann ging es an der Kleiderausgabe vorbei direkt in den Zellenblock. Wir schritten über die Böden, die von Al Capone höchstpersönlich vor Jahrzehnten gewischt worden waren und schlenderten an der Zelle des legendären Birdman entlang. Dann wanderten wir hinaus auf den Gefängnishof und konnten -anders als die Insassen damals- durch eine Tür in der Mauer hinaus und einen herrlichen Blick auf's Meer geniessen.
Nach etwa dreieinhalb Stunden hatten wir alles ausgiebig erkundet und begaben uns wieder in Richtung Fähre. Wir hatten Glück und mussten gar nicht lange warten, bis die Rückfahrt zum Festland startete.
Am Pier 33 angekommen, gingen wir nach rechts in Richtung Fisherman's Wharf. Bis dorthin waren es nur wenige Meter zu laufen. Hier wimmelte es regelrecht vor lauter Menschen. Am Pier 39 gab es jede Menge bunte Restaurants, Souvenirshops und allerlei andere Geschäfte. Draussen an der Straße konnte man Verkaufsstände, Gaukler, Künstler mit Spraydosen und Straßenmusiker sehen.
Ein paar Meter weiter lag ein U-Boot an der Küste, das man besichtigen konnte. Nicht bloß von aussen, man konnte hineinsteigen. Das ganze sollte nur 25 Dollar kosten. Es reizte uns zwar, das U-Boot zu besichtigen, aber 25 Dollar pro Nase ist ganz schön heftig für ein paar Minuten U-Boot.
Zum Glück gab es direkt daneben ein Arcade-Museum, wo der Eintritt kostenlos war. Dort sind hunderte alter Arcade-Spielautomaten ausgestellt, die man für jeweils 25 Cent sogar benutzen kann. In dem Museum war reger Betrieb und alle waren begeistert am Zocken. Ein paar der Automaten haben wir auch ausprobiert. Es gibt dort richtige Raritäten, teilweise Automaten, die schon über hundert Jahre alt sind.
Allmählich war es Abend geworden und wir machten uns auf den Weg ins Motel.
In der Nähe des Motels haben wir dann noch einen Super Duper Burger gegessen. Anschliessend ging es gut gesättigt in die Heia.
Schließlich wollten wir ausgeruht sein für das Highlight schlechthin in San Francisco: Die Golden Gate Bridge.
Sonntag, 30.10.2022
TAG 59
Gefrühstückt wurde im Motelzimmer. Wir hatten noch Proviant am Vortag besorgt. Mit einem Bus der Linie 28 sollte die Fahrt stattfinden. Die Bushaltestelle war direkt auf der anderen Straßenseite gegenüber des Motels.
An der Haltestelle waren wir noch guter Dinge. Das Wetter war hervorragend und es herrschten lauschige Temperaturen in der Sonne. Es konnte eigentlich nichts schiefgehen.
Die Enttäuschung an der Golden Gate Bridge
Der Bus fuhr nonstop bis zur Golden Gate Bridge. Das erste Mal konnten wir sie nun aus der Nähe betrachten. Die Spitzen der beiden Brückenpfeiler waren noch vom Morgennebel verhüllt. Es war hier deutlich kühler als 20 Minuten vorher an der Bushaltestelle.
Wir spazierten erst einmal am Welcome Center vorbei bergauf in Richtung Brücke und schossen ein paar Bilder. Die Zahl der Besucher war überschaubar. Als nächstes sahen wir einen Weg, der bergab ging und zu einer Ebene weiter unten führte, von wo aus man die ganze Brücke in ihrer wahren Pracht erblicken konnte. Dort angekommen, setzten wir uns auf eine Bank und tranken erst mal eine Cola, die wir im Rucksack mitgebracht hatten.
Noch kann man was von der Brücke erkennen
Dann kam die große Enttäuschung. Binnen weniger Minuten zog Nebel auf und man konnte immer weniger erkennen. Ein paar Minuten später war von der Brücke nicht mehr das geringste zu erahnen. So einen dichten Nebel kennt man sonst nur aus Filmen und kann sich nicht vorstellen, das es ihn in der Realität gibt. Keine hundert Meter waren wir von der Brücke entfernt und man sah wirklich null.
Wir beschlossen, noch ein wenig zu warten; der Nebel würde sich bestimmt bald verziehen. Pustekuchen, der Nebel machte nicht die gerinsten Anstalten, sich aufzulösen.
Sollten wir wirklich so ein Pech haben?
Wir hatten!
Obwohl man schon rein gar nichts mehr erkennen konnte, wurde der Nebel noch dichter.
Trotzdem entschlossen wir uns, über die Brücke zu marschieren. Rund zweienhalb Kilometer lagen vor uns. Wir liefen los und als wir am Anfang der Brücke angekommen waren, pfiff uns der eiskalte Wind um die Ohren und trotz der Tatsache, dass wir warme Kleidung anhatten, drang der eisige Wind durch alles hindurch.
Die Enttäuschung stand uns regelrecht ins Gesicht geschrieben.
Ein Blick nach unten ließ vage erahnen, dass dort irgendwo die Meeresbrandung sein müsste. Dann erreichten wir den ersten Pfeiler. Er war kaum in seiner ganzen Höhe erkennbar. Schade, so ein Pech. Wir entschieden uns umzukehren und am Abend noch einmal wiederzukommen. Schliesslich hatten wir die Hoffnung, dass es dann besser sein würde mit der Aussicht. Und so machten wir kehrt und gingen den Weg zurück bis zum Welcome Center, von wo der Bus 28 uns zurück nach Downtown San Francisco bringen würde.
Wir stiegen ein und bemerkten etwas später, dass wir in die falsche Richtung fuhren. Man hätte müssen den Fahrer beim Einsteigen fragen, wo er hinfährt. Die Busse der Linie 28 fahren an der Golden Gate Bridge nämlich eine Schleife und es gibt nur eine Haltestelle dort für beide Richtungen.
Also stiegen wir am nächsten Halt aus und schauten auf dem Stadtplan nach. Als nächstes wollten wir zum Cable Car Museum fahren. Einige Male wechselten wir die Buslinie und kamen dann am frühen Nachmittag in der Stockton Street an. Dort stiegen wir aus, weil wir noch einen Spaziergang durch Chinatown machen wollten. Von dort ist man nur noch wenige Blocks entfernt vom Cable Car Museum.
Die Bezeichnung "Museum" schien uns nicht ganz der richtige Ausdruck für dieses Schmuckstück zu sein. Es gibt zwar eine kleine Ausstellung, aber der hauptsächliche Grund für dieses Gebäude ist folgender:
Dort befindet sich die Station, in der die Stahlseile für die Cable Cars angetrieben und umgelenkt werden. Vier riesige Elektromotoren sind dort nebeneinander angebracht. Einer für jede der vier Cable Car Linien. Von der oberen Etage, die man gleich vom Eingang aus über eine Treppe erreicht, hat man einen tollen Blick auf die Antriebe und auf die gigantischen Antriebs- und Umlenkrollen.
Es gibt ausserdem jede Menge Informationen über die Geschichte der Cable Cars, insbesondere über die Schäden, die durch das schwere Erdbeben 1906 entstanden waren.
Die Ausstellung beinhaltet auch diverse Werkzeuge und mechanische Teile und die Funktionsweise des ganzen Systems wird detailliert erklärt und anhand von Modellen und Zeichnungen verdeutlicht. Ein Souvenirladen fehlt selbstverständlichauch nicht.
Wenn man die Treppe am Eingang vorbei nach unten steigt, wird man von einem besonderen Highlight erwartet. Auf der unteren Etage sind riesige Glasscheiben , durch die man in den Bereich unter der Straße schauen kann. Man sieht dort ein Wirrwarr von Umlenkrollen, die die Seile in die entsprechende Richtung für die jeweilige Cable Car Linie lenken. Um eine ungefähre Vorstellung davon zu bekommen, schaut man sich am besten das Video an.
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Im Internet kann man oftmals lesen, dass man in einer halben Stunde durch ist mit dem Museum. Für Leute, die sich für diese fast ausgestorbene Technik interessieren und tiefer in die Materie eintauchen wollen, reicht eine halbe Stunde allerdings nicht. Dafür sollte man mindestens ein bis zwei Stunde einplanen.
Mittlerweile war es schon nach 17 Uhr geworden. Während unseres Aufenthalts in Downtown hatten wir immer mal wieder einen Blick nach oben geworfen, um einzuschätzen, ob wir an der Golden Gate Bridge bezüglich der Wetterbedingungen gute Karten haben würden. Es war wechselhaft an diesem Tag und immer wieder sah man Nebelschwaden vorbeiziehen.
Egal, wie das Wetter in Downtown war, konnte es oben an der Brücke komplett anders sein.
Um das herauszufinden, blieb nichts anderes übrig, als selber dort nachzuschauen. Also schnappten wir uns einen Bus der Linie 30 und stiegen in der Nähe unseres Motels in die Linie 28 um. Gegen 18 Uhr waren wir wieder an der Golden Gate Bridge und der Himmel hatte es im wahrsten Sinne des Wortes gut mit uns gemeint.
Es war etwas diesig, aber man konnte weit schauen.
Und genau wie am Morgen, war es schweinekalt auf der Brücke und es wehte wieder ein eisiger Wind. Etwa bis zur Hälfte waren wir gegangen und hatten einen herrlichen Sonnenuntergang auf der Golden Gate Bridge erlebt.
Allmählich wurde es dunkel und die Beleuchtung der Brücke schaltete sich ein.
Bis wir wieder den Anfang erreicht haben würden, wäre es sicher noch dunkler geworden und wir könnten die Brücke auch noch bei Nacht bewundern.
Wir hätten zwei Fliegen mit einer Klappe erschlagen.
Und so war es dann auch! Glück gehabt.
Es war schon nach 20 Uhr, als wir den Heimweg antraten. Wir stiegen am Welcome Center wieder in den Bus der Linie 28 und genau wie schon am Morgen stellten wir nach ein paar Minuten fest, dass wir erneut in die falsche Richtung fuhren.
Also wieder aussteigen, Straße überqueren und diesmal klappte es dann auch.
Morgen heisst es Abschied nehmen von der "City by the Bay".
Mexico City ist die nächste Station.
Montag, 31.10.2022
TAG 60
Um 9 Uhr checkten wir aus im La Luna Inn und gingen noch gegenüber zum Walgreens, um die Clipper-Karten aufladen zu lassen. Gestern war der letzte Tag gewesen, an dem der Dreitagespass für die Busse und Bahnen gültig war. Wir mussten jeweils 12,50 $ aufladen. 2,50 $ für die Busfahrt zur Powell Station und 10 $ für die Zugfahrt von dort bis zum Flughafen. Sicherheitshalber buchten wir auf jede Karte 15 $ drauf. Man konnte ja nie wissen. Es klappte aber alles reibungslos und um halb elf erreichten wir den Airport.
Der Flieger sollte um 13:08 Uhr abheben. Die Bordkarten hatten wir bereits und konnten somit direkt zum Gate gehen. Gepäck durften wir keins aufgeben, aber das war ja schliesslich auch von Anfang an so geplant.
Mexico City
Mit etwas Verspätung starteten wir dann. Die Flugdauer betrug 3h 45'.
Wir kamen um kurz nach 19 Uhr Ortszeit am Flughafen in Mexico an und die Einreise ging auch schnell über die Bühne. Das Flughafentaxi brachte uns zum Hotel Escala Siglo XXI, das wir um 21 Uhr erreichten.
In der Nähe des Hotels kauften wir noch etwas zu trinken ein.
Anschliessend aßen wir noch im Restaurant des Hotels ein leckeres Steak.
Wir waren die einzigen Gäste. Die Einrichtung des Restaurants war trostlos und wir dachten schon, dass das Essen dementsprechend sein würde. Man hatte den Eindruck, dass man beim Betreten des Ladens die Angestellten in ihrer Ruhe stören würde und man nicht willkommen wäre. Aber wie gesagt, geschmeckt hat es.
Während des Essens erhielten wir noch Besuch von einer drallen Kakerlake, die gemächlich aus der Küche spaziert kam und bei uns am Tisch vorbeischaute.
Morgen ist der grosse Tag in Mexico, der "Dia de los Muertos".
Der Tag der Toten. Überall im Land finden Feiern und Paraden statt.
Das wollen wir uns nicht entgehen lassen.
Dienstag, 01.11.2022
TAG 61
Leider sollte der Tag anders verlaufen, wie wir es geplant hatten. Die Cheffin hatte sich schon in San Francisco eine Erkältung eingefangen, die wohl leider nicht richtig ausgeheilt war und nun lag sie an diesem Dienstag mit dicken Mandeln und Schüttelfrost flach. Richtig umgehauen hatte es sie.
Mit Sicherheit wäre es besser gewesen, einen Arzt aufzusuchen, aber hier in Mexiko kann man unter Umständen auch das Penicillin in der Apotheke ohne Rezept erwerben. Gut, dass Schatzi dabei war und die Dame des Hauses so richtig schön verwöhnen konnte. Diese konnte nämlich an diesem Tag rein gar nichts tun... nichts essen, kaum sprechen... es war furchtbar.
Hoffentlich wird es morgen besser.
So konnte 'Mann' allerdings noch ein wenig an unserem Blog arbeiten und sich ebenfalls ein wenig ausruhen... So ein Weltenbummler-Leben schlaucht nämlich ganz schön...
Mittwoch, 02.11.2022
TAG 62
Heute Morgen sollte es der Cheffin schon um einiges besser gehen. Das Antibiotikum schien also zu wirken. Dennoch beschlossen wir, den Tag ruhig und besonnen anzugehen... schliesslich wollten wir kein Risiko eingehen.
Zum Frühstück gönnten wir uns leckere Kaffeestückchen aus der Bäckerei nebenan. Danach organisierten wir uns über Uber ein Taxi und fuhren ins 'Centro Historico' von Mexico Cuidad. Die Fahrt dauerte keine zwanzig Minuten und kostete ca. 50 MXN ~ 3 €.
Schon auf der Fahrt erlebten wir ein unglaubliches Flair. Überall sah man die alten Gebäude aus der Kolonialzeit. Einfach nur wunderschön. Vom 'Plaza de Santo Domingo' starteten wir unseren Spaziergang. Schon dort war es wie in einer anderen Welt...
Der Platz befindet sich mitten im Herzen von Mexico City und ist nur einen Katzensprung vom Zocalo-Platz entfernt.
Hier allerdings ist weniger Trubel und der 'Plaza de Santo Domingo', umgeben mit prächtigen Kolonialbauten – unter anderem dem ehemaligen Inquisitionspalast sowie dem alten Zollgebäude.
Das spektakulärste Gebäude allerdings ist die Kirche nebst Kloster, welche diesem Platz seinen Namen gab.
Die Kirche sowie das Kloster 'Santo Domingo' wurden im 16. Jahrhundert errichtet und gehörten zu den wichtigsten katholischen Orten, weil sie seinerzeit den Dominikanerorden beherbergten – während der Evangelisierung Mexikos einer der drei einflussreichsten Orden.
Der Platz war geschmückt von wunderschönen Skulpturen, Arkaden und Springbrunnen.... ein Ort, an dem man durchaus verweilen und seinen Gedanken nachhängen könnte. Wir taten das... und zwar am Brunnen bei einem kühlen Getränk...
Im Anschluss spazierten wir weiter in Richtung 'Zocalo-Platz' , zum 'Plaza de la Constitution'. Dieser gehört zu den grössten und bekanntesten Stadtplätzen der Welt und für Mexico nicht einfach nur, wie in vielen anderen Grosstädten der Welt, das Zentrum der Stadt... nein... Dieser Platz ist das Zentrum der nationalen Identität des ganzen Landes.
Am Zolaco befinden sich einige der wichtigsten Einrichtungen Mexicos; unter anderem der 'Palacio National – der Sitz des Präsidenten, die Kathedrale von Mexiko Stadt sowie das Rathaus mit Sitz des Gouverneurs.
Ehrlich gesagt hofften wir, aufgrund des gestrigen Totalausfalls von der Cheffin, auch heute noch ein paar Impressionen anlässlich des 'Dia des los muertos' erhaschen zu können... und wir sollten nicht enttäuscht werden.
Schon bevor wir die Kathedrale erreichten, machten wir die Begegnung mit tanzenden Schamanen... grossartig... immer wieder kamen uns verkleidetete und opulent geschminkte, zumeist 'Catrinas' entgegen.
Der Tag der Toten wird in Mexico gefeiert um an die Familienmitglieder und die geliebten Menschen zu erinnern, die die Schwelle des Todes bereits überschritten haben. Allerdings wird dieser Tag hier wirklich gefeiert... mit allem Tam Tam und riesengrossem Brimborium... mit jeglichem Firlefanz.
Catedral Metropolitana
Erst wollten wir aber noch die Kathedrale besichtigen. Im übrigen die grösste und älteste Kathedrale auf dem amerikanischen Kontinent – mit Sitz des katholischen Erzbischofs von Mexiko.
Absolut imposant und überaus sehenswert ist vor allem die überdimensional grosse Orgel im Inneren der Kathedrale.
Und wie sollte es auch anders sein... wie überall bei den Katholiken wurde auch hier mit Prunk und Protz nicht gespart.
Nachdem wir ausgiebig die Kathedrale begutachtet hatten, gingen wir im Anschluss zum Zocalo. Dort befinden sich rund um den 'Dia de los muertos' 32 Altäre mit Opfergaben, von denen jeder einem Staat der mexikanischen Republik gewidmet ist. Umringt von 32 'Catrinas' mit den dazugehörigen traditionellen Trachten.
'La Catrina' ist eine der bekanntesten und beliebtesten mexikanischen Ikonen anlässlich des 'Dia de los muertos'.
Auf dem 'Plaza de la Constitution' war ein Trubel und ein Treiben... zur Musik, die aus den Lautsprechern drang wurde miteinander getanzt und gefeiert. Man konnte mit den traditionell oder weniger traditionell verkleideten Figuren für Schnappschüsse posieren oder – wie wir – sich einfach nur treiben lassen und geniessen. Wir waren Teil des traditonellen Treibens zum 'Dia de los muertos' auf dem 'Zocalo' inmitten von Mexico City... ist das zu fassen!!
Wir konnten uns an dem bunten Treiben kaum sattsehen... es war einfach zu faszinierend.
Dia de los Muertos auf dem Zòcalo, Mexico City
Irgendwann schlenderten wir dann weiter durch die wunderschönen Gassen des 'Centro Historico' ehe wir am Abend wieder mit dem Taxi zurück ins Hotel fuhren.
Da wir ja eigentlich vorhatten etwas langsamer zu machen an diesem Tag, was uns allerdings nur mittelmässig gelungen zu sein schien, war die Cheffin demzufolge doch sichtlich ko....
Donnerstag, 03.11.2022
TAG 63
Auch heute wollten wir germütlich in den Tag starten. Der Cheffin ging es heute nämlich wieder schlechter als gestern, aber nicht schlecht genug, um den Tag auf dem Hotelzimmer zu verbringen.
Um die Mittagszeit bestellten wir uns ein Taxi, das uns in die 'Avenida Alvaro Obregon' bringen sollte. Eine Allee, im Roma-Viertel von Mexico City. Geteilt durch einen Parkstreifen, schmücken Brunnen mit Figuren aus der römischen und griechischen Mythologie die 'Avenida Alvaro Obregon'. Füher soll es dort einen beliebten Strassenmarkt für Kunst und Antiquitäten gegeben haben, wurde 2012 aber leider abgeschafft. Der Mittelstreifen allerdings ist weiterhin Schauplatz verschiedener kultureller und traditioneller Veranstaltungen.
Bei unserem Spaziergang, zum Beispiel, konnte man anlässlich des 'Dia de los muertos' noch immer die verschiedenen Altare mit Opfergaben bewundern. Farbenfroh und Prächtig, wie wir es schon am Tag zuvor auf dem 'Zolaco' erlebt hatten.
Während wir die Allee entlangspazierten begutachtete wir die wunderbare Architektur der alten Kolonialbauten, wie beispielsweise das 'Casa Lamm Cultural Center'. Viele verschiedene Restaurants und Café's säumten den Weg der 'Avenida Alvaro Obregon'. Allerlei wunderbare Gerüche schlugen uns aus den Küchen der Restaurants entgegen und für uns gab es leider kein Entkommen. Also beschlossen wir, uns einen leckeren Burger zu genehmigen.
Wir haben es nicht bereut.
Eine weitere Enttäuschung
Ausgeruht und gestärkt spazierten wir noch die Strasse hinunter, ehe wir mit dem Taxi zum 'Estadio Azteca' fuhren.
Dort sollte endlich ein Lebenstraum in Erfüllung gehen. Wir wollten uns unbedingt mit der Gedenktafel anlässlich des Jahrhundertspiels ablichten lassen.
Das Jahrhundertspiel war das Halbfinale zwischen Deutschland und Italien bei der Fußball-WM 1970, das nach Verlängerung 4 : 3 für Italien endete.
Nachdem Italien bereits in der 8. Minute in Führung gingen und versuchten das 1 : 0 über die Zeit zu retten, erfolgte in der 90. Minute der ersehnte Ausgleich durch Karl-Heinz Schnellinger.
Wenn man dem legendären Sportreporter Ernst Huberty Glauben schenken darf, sagten sich die Italiener nach dem Tor: "Ausgerechnet Schnellinger."
Am Stadion angekommen, gingen wir in einen Laden links vom Haupteingang. Dort sagte man uns, für einen Stadionbesuch sollten wir zur Puerta 2 gehen. Ein paar Minuten später kamen wir dort an und fragten, ob wir das Stadion besichtigen könnten. Leider erfuhren wir, dass Besichtigungen nur mittwochs und samstags möglich wären. Todtraurig verliessen wir das Stadion.
In einem 7 eleven in der Nähe kauften wir noch eine SIM für das Telefon und fuhren anschliessend mit dem Taxi zurück zum Hotel.
Eigentlich wollten wir dann noch weiter auf Achse gehen, aber die Scheffin war noch zu schwach auf den Beinen. Also beschlossen wir, den Tag ruhig im Hotel ausklingen zu lassen.
Am Abend holten wir uns noch zwei gebratene Hähnchen aus einer "Gebratene-Hächnchen-Braterei" ein paar Meter entfernt von unserem Hotel.