09.12.2022 bis 15.12.2022 

Tag 99 bis 105

  • Buenos Aires Sightseeing
  • Das WM-Viertelfinale
  • La Recoleta
  • Caminito
  • Paraguay
  • La Recoleta II

Freitag, 09.12.2022

TAG 99

Den Fehler von gestern würden wir heute nicht wiederholen. Für uns war klar, wie wir Buenos Aires erkunden wollten: Im Touristen-Office holten wir uns ein 48h-Ticket für den HopOn-HopOff Bus... so konnten wir die Stadt in unserem eigenen Tempo kennenlernen. 

Ausserdem startete Argentinien um 16 Uhr im Viertelfinale gegen Holland. Und wenn wir schonmal hier waren, wollten wir die Chance auch unbedingt nutzen, um live beim 'Public Viewing' dabei zu sein. Vom Concierge in unserem Hotel erfuhren wir, dass im 'Parque Tres de Febrero' alles dafür arrangiert wurde. 

Das Beste war, dass sich dieser Park auf unserer City Tour befand und wir eigentlich nur in der Nähe des 'Plaza Italia' aussteigen brauchten.

Plaza del Congreso, Buenos Aires

Buenos Aires Sightseeing

Wir fuhren also vom Startpunkt 1 auf der 'Avenida de Mayo' entlang zum 'Plaza del Congreso' vorbei am 'Teatro Liceo'... 

Kurze Info: Aufgrund 'Hygienischen Denkens' und anlässlich des 100. Jahrestages der 'Revolucion de Mayo' wurde in Buenos Aires beschlossen, sonnige und luftige Orte zu schaffen. Dieser Entscheidung verdanken wir heute die vielen begrünten und bebaumten Mittel- oder Seitenstreifen, welche die Alleen säumen. 

Im Sog der Atmosphäre fuhren wir weiter durch diese wunderbare Stadt, welche uns mit ihren majestätischen Bauten das ein oder andere mal an Paris erinnerte... 

Während wir am 'Torre del Fantasma' , dem Geisterturm, vorbeifuhren lauschten wir der Erzählung des Guides in unseren Ohren: 

'Einst liess sich eine Granddame von Buenos Aires von einem katalanischen Architekten dieses Wohnhaus bauen, welches sie bei Fertigstellung eigentlich verkaufen wollte. Das Gebäude allerdings war so schön, dass sie sich selbst mit ihrem Hund, ihrem Papagei sowie ihren zehn Bediensteten dort niederliess. Diese verliessen aber nach und nach auf mysteriöse Weise diesen ihnen unheimlichen und dunklen Ort. Eines Tages verliess auch die Granddame, Madame Auvert, ihr Anwesen und zog sich zurück. Der Turm wurde in ein Atelier umgebaut und immer wieder an Künstler vermietet. Eines Tages bezog Catalina das Atelier. Alle liebten die junge Künstlerin. 

Die Journalistin Eleonora wurde auf sie aufmerksam und besuchte sie für ein Interview. Währenddessen machte sie Fotos von all' den Werken von Catalina... den fertigen wie den unfertigen. Fortan – seit dem Besuch der Journalistin – wurde der Turm von mysteriösen Ereignissen heimgesucht... Schreie des Schreckens hallten in die Nacht... bis Catalina schliesslich selbst von der Spitze ihres Turmes in die Leere sprang.... Und noch heute sollen in diesem 'Geisterturm' katalanische Kobolde ihr Unwesen treiben.'


Mit dem Citybus ging es weiter durch den Stadtteil 'La Boca', dem Teil der Stadt, in dem in jungen Jahren die Fussballlegende Diego Maradonna in seinem Club 'Boca Juniors' trainierte und zum Weltstar heranwuchs, vorbei am 'La Bombonera', dem neuen Stadion des weltbekannten Vereins. Aufgrund der Ähnlichkeit mit einer Pralinenschachtel erhielt es im übrigen diesen Namen. 

La Boca, Buenos Aires

La Boca ist ein Stadtteil von Buenos Aires und die Heimat des legendären Fußballclubs "Boca Juniors", wo einst auch Diego Maradona spielte.
In der Umgebung des Stadions der Boca Juniors sind die Vereinsfarben blau und gelb vorherrschend.

Entlang der blau-gelben Fanmeile fuhren wir zum 'Distrito de las Artes' nach Caminito, dem Künstlerviertel und einer bunten Museumsstrasse.... hier mussten wir morgen unbedingt ein wenig länger verweilen. Heute konnten wir dem bunten Treiben leider nur zuschauen. 


Vorbei am 'Puerto Madero' und an der 'Puente de la Mujer' ging unsere Tour durch das moderne Buenos Aires mitten durch einen Wald von Wolkenkratzern. Jedoch, und das muss man wirklich betonen, fuhren wir immer wieder an wundervollen Parkanlagen vorbei... soviel Grün haben wir noch nie in einer Grossstadt dieser Dimension gesehen.


Im Stadtteil 'Retiro' passierten wir nach dem wunderschönen 'Plaza San Martin' den 'Torre Monumental'. Einst Geschenk britischstämmiger Argentinier zum 100. Jahrestag der Mairevolution an die Stadt 'Torre de los Ingleses' (Turm der Engländer) genannt, wurde dieser nach dem Falklandkrieg umbenannt. Umgangssprachlich wird er allerdings noch immer 'Turm der Engländer' genannt. 


Vorbei am 'Bullrich', das wohl erste Einkaufszentrum Buenos Aires, fuhren wir entlang der 'Avenida del Libertador' und erblickten zu unserer rechten Seite eine zauberhaft anmutende glänzende Metallskulptur... die 'Floralis Generica', angefertigt aus Materialen der Flugzeugherstellung und als Geschenk des Architekten Eduardo Catalano wurde sie 2002 eingeweiht. Der Clou dieser Skulptur aber ist, dass sie, je nach Tageszeit bzw. Wetterbedingungen ihre Blütenblätter schliesst oder öffnet... einfach grandios.

Das WM-Viertelfinale

Schon wenige Minuten später erreichten wir den 'Tres de Febrero'... während wir vorbeifuhren schoss sich Kroatien gerade ins Halbfinale und Brasilien somit aus der WM... Die Stimmung war überragend. Nachdem wir in der Nähe vom 'Plaza Italia' ausgestiegen waren, mussten wir noch ein kleines Stückchen zurück zum Eingang des Geländes laufen. Der ganze Weg war gesäumt von Ständen, welche Fanartikel oder belegte Sandwiches verkauften. Die sahen so lecker aus, dass wir direkt auch noch eins probieren mussten...

Beim WM-Viertelfinale Niederlande vs Argentinien

Live in Buenos Aires: 
Argentinien gewinnt im Elfmeterschießen und alle rasten aus.

Nach einem kurzen Sicherheitscheck konnten wir den Eingang passieren und auf das Gelände. Eintritt kostete es im übrigen nicht. Was uns dort allerdings erwartete war... ja eigentlich typisch für eine so fussballverrückte Nation wie Argentinien. Es war nicht nur eine Riesenleinwand aufgebaut... es waren mindestens zwei (soviel sahen wir zumindest), eine Art Tribüne mit Sitzplätzen... allerdings mitten in der Sonne. Imbissbuden waren aufgebaut... es gab Eisstände, Obststände... im Prinzip gab es alles, was das Herz begehrt... ja und dann gab es immer wieder die sogenannten 'Hidrationspunkte', dort nämlich gab es gratis Wasser... einfach fantastisch. Nicht zu vergessen von der absoluten Präsenz der Security. Ach ja und selbstverständlich gab es auch genügend WC's.

Die Sonne brannte und die Schattenplätze waren rar. Wollte man in direkter Nähe der Leinwand sein, musste man in der prallen Sonne stehen oder aber, man machte es wie wir und begnügte sich mit einem schattigen Sitzplatz auf einer Holzbank... wir sahen zwar nicht alles... aber genug.


Die Stimmung kann man eigentlich gar nicht in Worte fassen. Es herrschte einfach eine absolute Einheit... eine Gemeinschaft für die Mannschaft. Schon beim Singen der Nationalhymne blieben keine Lippen still. Als dann in der 35. Minute das 1:0 für Argentinien fiel, fing die Stimmung weiter an zu kochen... und Messis verwandelter Elfmeter in der 73. Minute von da an gab es kein Halten mehr.... umso enttäuschter, ja gar verzweifelt waren die Fans als dann zehn Minuten später Holland das 1:2 schoss und während der Nachspielzeit tatsächlich der Ausgleich fiel... Wir standen inzwischen mitten in der Fangemeinschaft und um uns herum verzweifelte, weinende Argentinier... aber auch wir waren enttäuscht... soll es das jetzt gewesen sein??? Sollten sie jetzt von Holland nach Hause geschickt werden??? Nein, das konnte und durfte nicht passieren... das Fieber stieg....

Das anschliessende Elfmeterschiessen war der reinste Horror... ein richtiger Krimi... So sehr am Ende alle gelitten hatten, umso grösser war der Jubel, nachdem die Mannschaft als Sieger aus dem Spiel und somit ins Halbfinale ging... Tränen.. Jubel.. Freude... und selbstverständlich riesengrosser Stolz auf ihre Mannschaft... die Fans waren unglaublich... und für uns war es ein unvergessliches Erlebnis... Vamos vamos Argentina... 


Im Anschluss ein Taxi für die Heimfahrt zu finden, stellte uns vor eine enorme Herausforderung. Es gab nämlich keines... wahrscheinlich waren die alle vor der Leinwand oder dem TV... Also liefen wir noch ein Stückchen in Richtung 'Plaza Italia'. Eventuell hätten wir ja auf der 'Avenida Santa Fe' grössere Chancen, ein Taxi zu erwischen... dem war aber nicht so. Und zu unserem Pech fing es dann auch noch an, in Strömen zu regnen... wir beschlossen, uns in ein Lokal zu setzen um vom dortigen Wifi möglicherweise ein Uber rufen zu können. Gesagt getan... in der 'Accademia della Pizza' orderten wir einen Wein und ne Cola... umgerechnet für ca. 2,90€ und bestellten uns ein Uber, auf das wir dann draussen warteten. Dieser fand uns aber anscheinend nicht und wir wussten noch immer nicht, wie wir zurückkommen sollten... dann stiegen wir in den Bus... damit man allerdings mit diesem befördert wird, benötigt man eine Karte... und die bekommt man nur an den Verkaufsstellen... also mussten wir wieder aussteigen. Der Regen hatte im übrigen auch noch nicht nachgelassen. Kurzerhand gingen wir also noch in den Supermarkt nebenan und holten uns wenigstens noch Getränke für den Abend. Während wir uns vor der Tür schon fast unserem Schicksal ergeben hätten, kamen wir mit zwei Angestellten des dortigen Sicherheitsdienstes ins Gespräch und schilderten ihnen unsere Misere. Nach kurzem hin und her bot uns einer von ihnen an, uns mit seinem Handy ein Uber zu rufen und begleitete uns im Anschluss dann auch tatsächlich zum Abholpunkt... unser Retter... halleluja... 


Mittlerweile war es schon nach elf und die ganzen Scherereien hatten uns ziemlich hungrig gemacht. Leider hatte der Chinese an unserem Apartment schon geschlossen und so mussten wir den hiesigen Lieferservice in Anspruch nehmen und orderten uns BigMcMenüs bei McDonald`s. Aber auch darauf mussten wir eine gefühlte Ewigkeit warten... es war dann tatsächlich schon viertel vor eins, als wir endlich unsere Burger in den Händen hielten... die Pommes allerdings waren für den Arsch... labberig und roh, so wie man es eben von McDonalds gewöhnt ist... egal wo.


Einigermassen satt konnten wir dann mit 'Netflix' unseren turbulenten Abend ausklingen lassen.

Samstag, 10.12.2022

TAG 100

Während unserer gestrigen City-Tour hatten wir drei Stopps ins Auge gefasst, die wir uns unbedingt noch näher anschauen wollten. Zum einen war es die Gegend rund um den 'Plaza del Congreso'... dann das Künstlerviertel 'Caminito' und auf alle Fälle wollten wir zum 'Cementerio de la Recoleta', dem Friedhof, auf dem auch Evita ihre letzte Ruhe gefunden hat.


Unser Ticket war ja 48 Stunden gültig und so beschlossen wir, erneut am Stopp auf der 'Avenida de Mayo' in den Citybus zu steigen; diese war leider aufgrund einer kommenden Veranstaltung gesperrt... also liefen wir zum nächsten Stopp am 'Plaza del Congreso'. So hatten wir direkt zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen. Während unseres Walks dorthin konnten wir beim Überqueren der 'Av. 9 de Julio' auf deren Grünstreifen noch wunderbare Erinnerungsfotos schiessen, ausserdem gab es noch viele wunderschöne Gebäude zu sehen.

Avenida 9 de Julio, Buenos Aires

Am imposantesten war das 'Palacio Barolo' im Stadtteil Montserrat. Ein 22 stöckiges Bürogebäude, entworfen im Einklang mit dem Kosmos und in Auftrag gegeben von Luis Barolo, einem italienischen Einwanderer. Während die 22 Stockwerke in drei Sektionen unterteilt sind (Keller & Erdgeschoss = Hölle / 1. - 14. Etage = Fegefeuer / 15. -22. Etage = Himmel) kann man den Leuchtturm auf dem Dach des Gebäudes noch in Montevideo (Uruguay) sehen. 


Einen Häuserblock weiter erreichten wir auch schon den Staddteil Balvanera und standen vor dem 'Plaza del la Congreso', welcher durch die 'Av.de Mayo' mit dem 'Plaza del Mayo' verbunden ist. Es scheint wie eine einzige riesengrosse Parkanlage... tatsächlich aber sind es drei zusammenhängende Plätze: der 'Plaza de la Congreso', der 'Plazolete (Plätzchen) Lorea' sowie der 'Plaza Mariano Moreno'. Sensationelle Monumente im üppigen Grün umrahmt von prunkvollen Bauten.


Das dominierendste aller Monument auf diesem Platz allerdings war das 'Monumento de los dos Congresos', welches an die zwei Kongressversammlungen von 1810 & 1816 erninnern soll, die schlussendlich zur Unabhängigkeit Argentiniens führten.


Ein weiters überaus erwähnenswertes Gebäude ist die im Jugendstil errichtete 'Confiteria del Monino'. Einst Treffpunkt bedeutender Persönlichkeiten wurde die Konditorei, bekannt durch ihre Buntglasfenster und Windmühlenflügel, 1997 geschlossen und zum 'Nationalen Historischen Monument' erklärt.

Wir inspizierten an diesem Vormittag wirklich jede Ecke dieser aussergewöhnlichen Parkanlage ehe wir dann in den Citybus stiegen um gemütlich durch die Gegend zu schaukeln.

Und tatsächlich... heute war es bedeutend angenehmer auf dem Oberdeck und der angenehme Fahrtwind bliess uns stets ein Lüftchen um die Nase. 

Wir mussten zugeben, es könnte gerade nicht schöner sein... und als wir eine Weile gefahren waren, beschlossen wir, unseren Stopp im Künstlerviertel auf den Montag zu verschieben und heute einfach nur die Fahrt im Touribus zu geniessen... der letzte Stopp wäre der 'Cementerio de la Recoleta', den würden wir auf alle Fälle nutzen, um den Friedhof und somit EVITA zu besuchen. 

Eine monumentale Ruhestätte

Im Anschluss würden wir dann wieder mit dem Touribus zurückfahren... doch weit gefehlt, wie sich später herausstellte.

Auf dem Friedhof im gleichnamigen Stadtteil fanden zahlreiche prominente und wohlhabende Einwohner ihre letzte Ruhe; Profisportler, Wissenschaftler, Schauspieler und der argentinische Präsident. Die bekannteste aber dürfte wohl die zweite Frau des Präsidenten Juan Perón sein... Eva -EVITA- Peron, die First Lady Argentiniens. Nach ihrem frühen Tod 1952 einbalsamiert und in einem gläsernen Sarg im Kongressgebäude aufgebahrt, verschwand die Leiche 1955 nach dem Sturz des Präsidenten aus der Öffentlichkeit und wurde 1957 heimlich nach Mailand gebracht und dort unter fremdem Namen bestattet. Während Perón in Madrid im Exil lebte, liess er EVITA 1971 dorthin überführen. Während der Präsident 1974 nach kurzer erneuter Amtszeit (ab 1973) starb, liess seine dritte Ehefrau den Leichnam von EVITA nach Südamerka überführen, wo sie im Oktober 1976 auf dem Friedhof 'La Recoleta' im Mausoleum der Familie beigesetzt und endlich ihre letzte Ruhe finden durfte.

Kurze Anmerkung: Ihr Sarg allerdings befindet sich in sechs Metern tiefe und wird durch eine Stahlplatte blockiert, als Vorsichtsmassnahme und aus Angst, der Leichnam könne noch ein weiteres Mal entführt werden.


Um den Friedhof zu besuchen war natürlich ein kleiner Eintritt fällig, der aber durchaus berechtigt war. Gepflasterte Wege führten führten uns vorbei an Mausoleen, welches einer schöner und grösser schien als das andere. Moderne wechselten sich ab mit uralten... teilweise waren es schon kleine Kirchen... es war der helle Wahnsinn. Das muss man einfach gesehen haben. 

Während wir an Monumenten von Generälen oder Ministern vorbei zum Grab von Evita gingen kamen wir aus dem Staunen gar nicht heraus. Die Schönen und Reichen hatten sich hier noch im Tode wahrliche Denkmäler setzen lassen... es war fantastisch.

Eingang zum Cementério de la Recoleta

Buenos Aires

Die letzte Ruhestätte von Eva – Evita – Perón allerdings zeugte von einer schlichten Eleganz geschmückt von unzähligen Blumen der vielen Besucher. Nachdem auch wir Evita noch unsere letzte Ehre erweisen konnten spazierten wir noch ein wenig durch die Gänge des Stadtfriedhofes um die imposanten Denkmäler zu bestaunen. Unter anderem sahen wir ein Grab eines Mädchens... vor einem gläsernen Mausoleum stand ein Abbild mit ihrem Hund... ein Abbild aus Marmor … der absolute Wahnsinn.


Im Anschluss spazierten wir noch über den 'Paseo de los Artesanos'. Ein Markt mit traditioneller Handwerkskunst auf dem Hügel vor dem noblen Stadtteil Recoleta. Ach hätten wir doch nur einen Koffer dabei... es war die Chance für ausgefallene Weihnachtsgeschenke... aber leider reisen wir ja nur mit Handgepäck in dem für Geschenke oder Souvenirs kein Platz ist.


Gegen viertel vor sechs schlenderten wir zurück zum Busstopp... just in dem Moment als wir ihn erreichten fuhr auch direkt der Citybus ein... leider aber nicht mehr weiter. Die letzte Abfahrt von der Start- bzw. Endhaltestelle ist nämlich um 17.30 Uhr. Und da wir uns bei unserer Ankunft in Argentinien gegen den Kauf einer SIM-Karte entschieden hatten, konnten wir uns auch kein UBER rufen. Natürlich wäre ein Taxi auch noch eine Option gewesen, wir entschieden uns aber, die zweieinhalb Kilometer bis zu unserem Apartment in der 'Calle Mexico' zu Fuss zurückzulegen. Nach etwa der Hälfte des Weges ging es auf der 'Av. 9 de Julio' nur noch geradeaus... 


Während es über Buenos Aires langsam anfing zu dämmern konnten wir in der untergehenden Sonne mitten auf der 'Av. 9 de Julio' noch so manches architekturgewaltige Gebäude bewundern... ein Trubeln und Treiben begleitete uns... vorbei am Denkmahl zu Ehren von 'Cristóbal Colón' (Crhistoph Columbus) von Ugu Attardi und dem fantastischen 'Teatro Colón', dem bekanntesten Theater in Buenos Aires und das bedeutendste Opernhaus Lateinamerikas, gelangten wir zum 'Obelísco de Buenos Aires'.

Obelisco de Buenos Aires

Das 67 Meter hohe Bauwerk wurde auf dem 'Plaza de la República' mitten auf der 'Av. 9 de Julio' anlässlich des 400-jährigen Stadtjubiläums errichtet. Schon allein die Atmophäre drumherum... zwischen unzähligen riesigen Leuchtreklamen und dennoch mitten im Grünen... ein Trubel und Treiben und dennoch entspannt... das muss man erlebt haben. Wenn man möchte, kann man auch im Obelisk über 206 Stufen nach oben steigen. 

Wir jedoch waren schon zu ko und wollten einfach nur noch in unsere Unterkunft. Vom Obelisk war es dann auch nicht mehr weit. Beim Asiaten holten wir uns noch eine Schüssel mit Leckereien vom Buffet, ehe wir uns noch ein wenig unserem Reisetagebuch widmeten... 


Morgen steht ein ganz besonderes Abenteuer auf dem Programm und dafür heißt es: Früh aufstehen!!


Sonntag, 11.12.2022

TAG 101

Abstecher nach Uruguay

 Für einen Sonntag klingelte der Wecker heute ziemlich früh. Nämlich schon um 5.45 Uhr. Heute nämlich sollte es mit dem 'Colonia Express' nach Uruguay gehen. Bei 'GetYourGuide' haben wir einen Tagesausflug inklusive Mittagessen für knapp 80 Euro pro Person gebucht. Die Fähre sollte um halb neun starten. Wegen des Grenzübertrittes und diversen Zollabfertigungen mussten wir uns schon eineinhalb Stunden am Terminal einfinden. Warum auch immer.... auf jeden Fall waren wir mit allem ruckzuck durch und hatten noch eine Menge Zeit bis zur Überfahrt nach 'Colonia del Sacramento'.

1680 von den Portugiesen gegründet und später von den Spaniern erobert, ist 'Colonia del Sacramento' die älteste Stadt Uruguays. Mittlerweile gehört die historischen Kleinstadt zum 'UNESCO' Weltkulturerbe. 


Das Boarding begann um kurz nach acht. Feste Plätze gab es nicht, aber die Fähre war riesig und somit sollte genug Platz für alle Passagiere sein. Für uns stand ohnehin fest, dass wir irgendwo auf den Aussendecks bleiben würden. Wir fanden unser Sonnenplätzchen auf einer Bank am Heck der Fähre. 


Die Motoren heulten auf und die Fähre startete pünktlich um halb neun in Buenos Aires. Bei bestem Wetter nahmen wir Kurs auf Uruguay. Zügig verliessen wir das Hafenbecken von Buenos Aires und es ging über den 'Rio de la Plata' in eineinhalb Stunden nach 'Colonia del Sacramento'. Der 'Rio de la Plata' ist eine Mündung des Atlantischen Ozeans und wird durch die Vereinigung des 'Rio Paraná' und des 'Rio Uruguay' gebildet. Würde man ihn tatsächlich als Fluss betrachten, wäre er mit seiner Breite von bis zu 221 km wohl der breiteste Fluss der Welt. 


Gegen zehn Uhr erreichten wir Uruguay. Weil die Passkontrolle und die Einreise schon am Migraciónschalter im Hafen von Buenos Aires stattgefunden hatte, konnten wir direkt zum Schalter von Colonia-Express um uns bei unserem Guide, in unserem Fall Nataly, für die 'Walking-Tour' anzumelden. 

Colonia del Sacramento

Wenig später ging es auch schon los. Mit uns waren noch vier weitere Touris von der Partie. Wir marschierten zum alten Stadttor (San Miguel Bastion) von 'Colonia del Sacramento' und somit zum 'Centro Historico' der idyllischen Kleinstadt. 

Fern dem Lärm der Grossstadt, führte uns Nataly über das Kopfsteinpflaster durch die malerische Altstadt. Die kleinen bunten Kolonialbauten, eingerahmt von lilablühenden Bougainvilleas und pinkfarbenem Hibiskus wären für jeden Künstler die perfekte Vorlage für ein Gemälde; ganz besonders in der 'Calle de Supiros', eine der schönsten Strassen mit den farbenprächtigsten Häusern.

Colonia del Sacramento

Uruguay

Eine kleine verschlafene Stadt am Río de la Plata

Ein malerisches Städtchen...

...verschlafen...

...idyllisch...

...die Zeit ist stehengeblieben

Wie überall in Südamerika gibt es auch hier einen 'Plaza de Armas', direkt nebenan befindet sich die 'Basilika der Allerheiligsten Sakramente', welche ursprünglich aus Lehm und Stroh gebaut wurde. Das Städtchen ist nicht sonderlich gross und somit hatten wir unsere Walking-Tour in einer guten Stunde beendet. 

An der Kirche verabschiedete sich Nataly von uns und begleitete uns zum Lokal 'La Comandancia', wo wir als einzige unserer Truppe zu Mittag essen sollten. Das kleine romantische Lokal liegt direkt am 'Puerto des Yates' und wir lauschten im Schatten der Bäume den Klängen der Natur. Alles war perfekt.


Unsere Fähre zurück nach Buenos Aires ging um 18 Uhr und wieder sollten wir mindestens eine Stunde früher am Terminal sein. Vorher allerdings wollten wir noch ein wenig das hübscheste Städtchen Uruguays erkunden. 

Durch die malerischen Gassen und entlang der Promenade flanierten wir vorbei am alten Leuchtturm, den Ruinen des Klosters 'San Francisco Xavier' und der 'Casa Rosada' zur 'Bastion de San Pedro'. Man konnte von der Spitze aus über den gesamten 'Rio de la Plata' blicken und wenn man es nicht besser wüsste, hätte man gemeint, man stünde am Meeresufer.... hammer.

Dann erlebten wir noch eine Kuriosität: Auf einem Parkplatz am Ufer des Río de la Plata glaubten wir, unseren Augen nicht zu trauen. Tatsächlich stand dort ein Kleinbus mit deutschem Autokennzeichen!

Die Zeit verging wie im Fluge und langsam spazierten wir zurück zum Fährenterminal. Wie schon befürchtet, waren wir mit wieder schnell abgefertigt und mussten noch eine Stunde im Wartebereich verbringen. 


Die Fähre zurück in die Hauptstadt Argentiniens war voll... allerdings war auch das Schiff kleiner als am Morgen. Glücklicherweise ergatterten wir noch zwei Sitzplätze nebeneinander. Der Spaziergang in der Hitze hatte uns ganz schön mitgenommen und so konnten wir uns bei einem kleinen Nickerchen während der Überfahrt von den Strapazen erholen.

Leider standen wir nach Ankunft in Buenos Aires eine halbe Ewigkeit in der Schlange für die Einreise. Aber auch das war irgendwann überstanden und wir waren wieder offiziell in Argentinien eingereist.


Im Anschluss wollten wir uns noch einen schönen Abend im Casino machen und unser Glück am Spielautomat herausfordern. Das Casino ist direkt am Hafen und befindet sich auf zwei alten Schiffen. Auf vier Ebenen laden mehr als 120 Spieltische und 1.400 Spielautomaten zu einem Spielchen ein. Wie in jedem Casino herrscht auch hier eine ganz besondere Atmosphäre. Für jedem der Spieler steht eben irgendetwas auf dem Spiel 'rouge ou noir' 'gewinnen oder verlieren'... wir haben zwar nichts gewonnen... aber eben auch nix verloren... man sollte immer wissen, wann die Zeit zum aufhören ist.


Der Tag war lang und so stiegen wir in eines der vielen Taxis, die vor dem Casino warteten und fuhren zurück in unser Hotel.


Gute Nacht und bis morgen!

 

Montag, 12.12.2022

TAG 102

Heute haben wir erst einmal richtig ausgeschlafen. Der gestrige Tag war zwar nicht besonders anstrengend gewesen, aber dafür umso länger.
Um halb sieben waren wir gestern vom Hotel abgefahren und nach dem Besuch des Casinos war es doch bereits halb zwölf nachts, als wir im Hotel ankamen.
Daher war nach dieser achtzehnstündigen Tour für heute ein wenig Ruhe auf dem Tagesplan.
Gegen zwölf machten wir uns auf den Weg und wollten noch einmal nach Caminito.
Caminito befindet sich im Stadtteil La Boca von Buenos Aires und ist benannt nach dem gleichnamigen Tango von Juan de Dios Filiberto.

Caminito

Wir kamen mit dem Taxi dort an und suchten uns zunächs ein kleines Restaurant aus, wo wir erst einmal eine Stärkung zu uns nahmen. Schliesslich hatten wir ja auch noch kein Frühstück gehabt.
Der Kellner, ein Bursche Mitte zwanzig, war nett und bediente uns sehr professionell.
Irgendwann fragte er uns, wo wir herkämen und wir sagten ihm, dass wir aus Deutschland wären. Die deutsche Fussballmannschaft war einige Tage zuvor bei der WM ausgeschieden.
Als der Kellner unsere Antwort gehört hatte, grinste er, hielt seine Hand ans Ohr und fragte erneut: "Woher?"
Daraufhin erklärten wir, dass wir uns vertan hätten, wir kämen tatsächlich aus Frankreich.

Dann lachte er laut und ging wieder seiner Arbeit nach.

Nach dem Essen spazierten wir durch die Straßen, um uns Caminito anzuschauen.

Das Viertel ist bekannt dafür, dass sich dort überall bunt bemalte Häuser befinden. Auf Straßen und Wegen trifft man Musiker, Maler und andere Künstler an und hier und da stößt man auf Tangotänzer, die auf Gehwegen ihre Tangokünste präsentieren.

Die Straßen dort sind voll mit Restaurants und Souvenirshops und obwohl es dort sehr touristisch zugeht, spürt man dennoch das besonder Flair und die wohlige Gemütlichkeit, die von den engen Straßen ausgeht. Auch wenn das Viertel recht gut besucht ist, überkommt einen beim Schlendern über die Wege eine Ruhe; von Hektik gibt es keine Spur. 

Und erneut ist eine gewisse Ähnlichkeit mit Paris zu spüren:
Das unverkennbare Savoir-vivre.

Caminito

Stadtteil La Boca, Buenos Aires

Nach etwa drei Stunden hatten wir die Gegend durchwandert und beschlossen, zurück ins Hotel zu fahren.

Schatzi war noch allzu sehr angeschlagen und erschöpft von der gestrigen Hitze in Uruguay.

Im Hotel angekommen, war für den Rest des Tages Ruhe angesagt. Ausserdem musste ja auch noch das Reisetagebuch aufgearbeitet werden.


Dienstag, 13.12.2022

TAG 103

Der heutige Tag ging schon richtig gut los. 
Erst gestern am späten Nachmittag wurden wir von LATAM per Email benachrichtigt, dass unser heutiger Flug nach Asunción statt wie geplant um 9:05 Uhr erst um 13:35 Uhr losgehen sollte.

Das war mal eine echt gute Nachricht, hätten wir doch sonst schon um 6 Uhr in der Frühe unser Hotel verlassen müssen, um zum Flughafen zu fahren.
So konnten wir ausschlafen und es gemütlich angehen lassen.
Checkout im Hotel war um 10 Uhr und so machten wir uns pünktlich zu dieser Zeit auf den Weg zum auschecken.
Mit dem Uber dauerte die Fahrt zum Flughafen eine dreiviertel Stunde. Es waren dreissig Kilometer zu fahren.

Als wir ankamen, versuchten wir unser Glück an einem der Check-In-Automaten, um die Bordkarten zu bekommen. Das Online-Einchecken tags zuvor war nicht möglich gewesen.
In der Nachricht von LATAM stand ausserdem, dass der Flug von Paranair, einer paraguayischen Airline durchgeführt werden würde.

Also begaben wir uns zum Schalter von Paranair, der sich auch gleich am Eingang des Airports befand. Glücklich stellten wir fest, dass nur knapp zehn Leute vor uns in der Schlange standen. Das sollte also eine schnelle Sache werden.
Zum Schrecken sahen wir dann ein Schild, das darauf hinwies, dass das Handgepäck lediglich 5 kg schwer sein darf.
Na, das konnte ja heiter werden!

Am Schalter von Paranair dauerte das Warten dann doch eine Ewigkeit. Es ging sehr schleppend voran trotz der wenigen Passagiere, die Einchecken wollten.
Als wir dann endlich nach fast einer Dreiviertelstunde an der Reihe waren, sahen wir auch, warum es so lange gedauert hatte. Da wegen der kurzfristigen Änderung des Fluges kein Online-Ckeck-In möglich gewesen war, mussten die Angestellten alle Daten der Passagiere manuell eingeben.
Unsere Bordkarten erhielten wir dann auch sogleich und die Größe und das Gewicht des Handgepäcks hatte keine Sau interessiert.

Kaum am Gate angekommen, war auch gleich das Boarding. Wir wunderten uns schon darüber, dass kaum Passagiere in einer Schlange anstanden. Mit einem Bus wurden wir zum Flieger gebracht, was an so einem großen Flughafen, wie Buenos Aires eigentlich unüblich ist. Dann sahen wir den Grund. Der Flug wurde mit einem kleinen Jet durchgeführt, einem Bombardier CL 600. Darin ist nur Platz für 54 Passagiere und der Flieger war trotzdem nicht ganz besetzt.

Unser Jet nach Asunción, Paraguay

Paraguay

Eineinhalb Stunden später landeten wir in Asunción. Der Flughafen dort ist regelrecht winzig. Vom Flieger gingen wir zu Fuß in das Flughafengebäude. Es gibt lediglich 2 Gepäckbänder und auch sonst ist alles sehr überschaubar. Die Einreise ging sehr schnell vonstatten. Das lag daran, dass bloß die Passagiere unseres Fluges abzufertigen waren und dass an jedem der Schalter ein Beamter saß. Sonst wundert man sich immer auf größeren Flughäfen, warum von 20 Schaltern nur 2 besetzt sind, obwohl hunderte Leute auf ihre Einreise warten.
An einem Geldautomaten zogen wir uns gleich einmal 900.000 Guaraní (PYG), das entspricht etwa 115 €.

Hier dauerte alles ab dem Aussteigen aus dem Flieger bis zum Verlassen des Airports keine 15 Minuten. Fabelhaft.

Auch war draussen kaum Betrieb und man wurde nicht von Taxifahrern genervt.

Wir fanden dann einen Fahrer, der uns für 120.000 Guaraní zu unserem Hotel nach Asunción in die Calle Colón brachte. Auf den Straßen herrschte kaum Verkehr, weil alle daheim vorm Fernseher saßen, um sich das WM-Halbfinale Argentinien vs Kroatien anzuschauen.
Mit einem Affentempo fuhren wir in Richtung Hotel und kamen 20 Minuten später dort an.
Der Fahrer versuchte noch, sich für weitere Fahrdienste bei uns anzubiedern und gab uns seine Telefonnummer. Wir haben allerdings nicht vor, sie in Anspruch zu nehmen.

An der Hotelrezeption empfing uns ein ausserordentlich netter und zuvorkommender Mann, der uns ins Zimmer 204 geleitete. Das Zimmer ist sehr komfortabel und wir haben wieder einen Balkon.

Aufgefallen war uns, dass in der Straße unseres Hotels Asunción Palace bereits fast alle Läden geschlossen hatten. Warum das so war, erklärte uns der Rezeptionist auf diese Frage am nächsten Tag. 

Dennoch fanden wir etwa 200 m weiter einen kleinen Supermarkt, um ein paar Getränke zu kaufen.

Den Rest des Abends verbrachten wir im Hotelzimmer.


Mittwoch, 14.12.2022

TAG 104

Während uns Ansunción gestern doch ein wenig enttäuscht bzw. seltsam überrascht hatte, begrüsste uns der neue Tag mit strahlend blauem Himmel und einem fantastischen Frühstück in unserem Hotel... es gab jede Menge frisches Obst, leckere Kaffeestückchen, gebratene Würstchen … frisch zubereitetes Rührei und leckere Käse-Schinken-Sandwiches. Nicht zu vergessen der leckere Kaffee. 


Etwas überfordert liefen wir einfach einmal los. Irgendwo musste sich ja das Historische Zentrum befinden. Nichts ahnend, dass wir ja schon mittendrin waren, spazierten wir die 'Calle Estrella' hinauf zum 'Vicepresidencia de la Republica'... zwischen teilweise zerfallenen Häusern sahen wir immer wieder grandiose Bauten aus der Kolonialzeit. Leider nicht immer wirklich vernünftig instand gehalten. Irgendwie traurig. Ist es die Geschichte nicht wert, gerade diese Bauten für die Öffentlichkeit repräsentabel zu machen? Dass die meisten der historischen Gebäude jetzt nach und nach restauriert werden, erfuhren wir allerdings erst später.

Asunción, Paraguay

Der komplette Name von Asunción lautet:

La Muy Noble y Leal Ciudad de Nuestra Señora Santa Maria de la Asunción 

Asunción mag zwar nicht mit atemberaubender Schönheit glänzen, dennoch hat es uns aber, nach genauerem Hinsehen überrascht. Überrascht mit den doch vielen bunten Gebäuden, der 'Iglesia Nuestra Senora de la Asunción', mit einer wirklich fantastischen Architektur, und den doch vielen Parkanlagen rund um das 'Centro Historico'. Gerade auch die sehr netten und hilfsbereiten Paraguayer liessen uns unseren Focus dann doch auf das Wesentliche legen... nämlich das Zwischenmenschliche... und den Umgang miteinander. Wir fühlten uns auf jeden Fall und zu jeder Zeit sehr willkommen, und aufgrund der hohen Präsenz der Polizei auch nie unsicher in Paraguays Hauptstadt.


Am späten Nachmittag kehrten wir in unser Hotel zurück, schliesslich hatten wir in unserem Reisetagebuch noch immer ein grosses Defizit, welches aufgeholt werden musste.


Über den hiesigen Lieferdienst orderten wir uns bei 'Dominos Pizza' unser Abendessen... Pasta & Pizza... what else... 


Donnerstag, 15.12.2022

TAG 105 

Für heute stand nicht sonderlich viel auf dem Programm. Nach dem ausgiebigen Frühstück spazierten ein bisschen durch die Strassen von Asunción und es gefiel uns von Stunde zu Stunde besser. In einem kleinen Strassencafé am 'Plaza de Libertad' schlürften wir, genau wie am Tag zuvor eine kühle Cola. 


Am Nachmittag waren wir mit ein paar Leuten verabredet, welche wir im Internet kennengelernt hatten, und die in Asunción lebten. Wieder erfuhren wir viel Neues über Paraguay, die Wirtschaft und das Leben in dem südamerikanischen Land.


Kurzer Bildungsfakt nebenbei: Wusstet ihr, dass 'Ausunción' für 'Mariä Himmelfahrt' steht und ihr voller Name 'La Muy Noble y Leal Ciudad de Nuestra Senora Santa Maria de la Asunción' lauten?? 

Jetzt wisst ihr es.


Nach ein paar netten Stunden und interessanten Gesprächen wollten wir heute unbedingt noch auf den Stadtfriedhof in Asunción mit dem wunderschönen Namen 'Cementerio de la Recoleta'... genau wie der Friedhof in Buenos Aires. Aber ob dieser mit dem der letzten Ruhestätte von Evita standhalten könnte??? Davon wollten wir uns selbst ein Bild machen.

La Recoleta II

Mit einem UberTaxi fuhren wir gute 8 Kilometer quer durch die Stadt. Schon bei unserer Ankunft war uns sofort klar, dass dieser 'Cementerio de la Recoleta' absolut keine Konkurrenz für den in Buenos Aires darstellen würde. Irgendwie schien der Friedhof verlassen... ja schon fast gruselig. Uns überkam ein ganz seltsames Gefühl. Wir wollten uns dennoch ein Bild von der Anlage machen. 


Die verwahrlosten Grabstätten sahen wir schon, während wir durch das Eingangstor gingen... nur wussten wir nicht so recht, ob sie aufgrund der Witterungsumstände oder altersbedingt zerfallen oder mit grober Gewalt geschändet wurden... und wie es sich für den Besuch eines Friedhofes dieser Güte gehört, zog sich just in diesem Moment der Himmel zu und die Stimmung wurde noch bedrohlicher. Im Gegensatz zum Friedhof von Buenos Aires führten hier die Wege nur geradeaus oder links und rechts... nicht über verschiedene Gänge wieder zu anderen Gängen, und somit ist die Gefahr geringer, sich zu verlaufen. 

Cementerio de la Recoleta

Asunción, Paraguay

Und je dichter die Gräber standen, desto verfallener schienen sie. Teilweise wurden die Toten überirdisch bestattet und so entstanden quasi richtige Grabmauern... wir bemerkten, das bei einigen dieser Gräber die Türen aufgebrochen oder teilweise sogar entfernt (geklaut?) wurden und die halbverwitterten Särge zum Vorschein kamen, so auch am Mausoleum der 'Famila Garcia': wieder vier überirdische Gräber, und ebenfalls waren die Türen weg, verwittert oder aufgebrochen... der oberste der Särge gar verschwunden. 


Hatten wir bei unseren vergangen Friedhofsbesuchen meistens ein eher beruhigendes Gefühl, wenn auch manchmal ein wenig unheimlich, fanden wir sie zumeist faszinierend. Bei unserem heutigen Besuch auf dem 'Cementerio de la Recoleta' hier in Asunción jedoch schlich sich das Gefühl der Ehrfurcht vor der Endlichkeit zu uns. Und damit meinen wir nicht nur die Endlichkeit des irdischen Daseins, nein auch die Endlichkeit des Respekts und die Ehrfurcht vor dem Tod... und das in einem Ausmass, wie wir es sonst noch nie zuvor gesehen hatten. 


Und dennoch schien ein kleines Fünkchen Hoffnung zwischen all den Trümmern zu wachsen... überall machten sich Mangobäume breit und bahnten sich ihren Weg. Als wollten sie uns mit ihren vielen Früchten sagen, dass man nie die Hoffnung und den Glauben an das Leben verlieren sollte. 


Nach unserem Spaziergang auf dem Friedhof kauften wir noch in einem Superseis gegenüber ein paar Getränke ein und fuhren dann mit dem Uber zurück in die 'Calle Colon'. Im Restaurant 'Bar Leo' assen wir noch eine Kleinigkeit zu Abend, ehe wir zurück auf unser Zimmer gingen.


Bis morgen!

Das war's für die fünfzehnte Woche. 

Weiter geht's bei Tag 106 bis 112.